Als Theater gegründet, heute das Symbol für alternatives Leben in Hamburg schlechthin: Die Rote Flora ist seit 1989 besetzt. Ein Blick zurück auf bewegte Zeiten.
Stand: 17.10.2024 | 13:35 Uhr | Hamburg Journal
1 | 30 Monument der Widerspenstigkeit: Das Flora-Gebäude im Hamburger Schanzenviertel blickt auf eine lange, wechselvolle Geschichte zurück.
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2 | 30 1888 wird das Flora-Gebäude errichtet, ein Jahr später eröffnet. Der Name geht zurück auf eine Bark "Flora", die abgetakelt als schwimmendes Bier- und Tanzlokal beliebt war. Das Gebäude umfasst unter anderem ein Café und einen Wintergarten. Später kommt eine Stahl-Glas-Halle hinzu, der sogenannte Crystallpalast.
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3 | 30 Nach dem Ersten Weltkrieg wird ein modernes Kinovarieté eingerichtet. Den Zweiten Weltkrieg übersteht die Flora weitgehend unbeschädigt - nur die damalige Garagenhalle nicht. Von 1953 bis 1966 dient das Gebäude als Kino. 1974 werden Dachgeschoss und zweites Obergeschoss abgetragen und durch ein Flachdach ersetzt. Vor der Besetzung in den 1980er-Jahren beherbergt die Flora das Warenhaus "1000 Töpfe".
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4 | 30 1987 schmieden die Stadt und ein Investor Pläne, das als Vergnügungsstätte angelegte Gebäude zu einem Musical-Theater umzubauen. Unter anderem soll dort "Das Phantom der Oper" zu sehen sein. Doch schnell regt sich Widerstand, der immer wieder die Polizei auf den Plan ruft.
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5 | 30 1988 wird der größte Teil des historischen Flora-Theaters abgerissen. Große Teile des Crystallpalasts werden zerstört. Hier soll ein Neubau entstehen.
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6 | 30 Mit zahlreichen Aktionen, zum Teil militanten Anschlägen, gehen die Gegner gegen das Musical-Projekt vor.
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7 | 30 Vom Dach der Flora aus lässt sich Ende der 1980er-Jahre das Geschehen auf der Straße gut beobachten. Die Proteste gegen das Musical-Projekt sind erfolgreich - der Standort Schanze wird aufgegeben. "Das Phantom der Oper" läuft ab 1990 im Neubau an der Holstenstraße.
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8 | 30 Das Gebäude in der Sternschanze steht bis zum Sommer 1989 leer. Linke Initiativen bekommen die Möglichkeit, ihre Vision von einem alternativen Stadtteilzentrum zu präsentieren.
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9 | 30 Nach der offiziellen Eröffnung der Roten Flora im September 1989 erklären linksautonome Aktivisten die Flora am 1. November für besetzt.
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10 | 30 Die Besetzung wird von den "Rotfloristen" durch das Sprayen von Schriftzügen mit politischen Parolen an der Fassade deutlich gemacht.
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11 | 30 Das Gebäude wird zum Zentrum alternativen politischen und kulturellen Lebens in Hamburg. Ohne Fördergelder entstehen viele Projekte.
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12 | 30 Es kommt damals immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.
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13 | 30 Selten lassen die "Rotfloristen" Fotografen ins Innere des besetzten Gebäudes.
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14 | 30 Manchmal geben die Aktivisten selbst Pressekonferenzen, wie hier 2007, als sie gegen den G8-Gipfel protestieren.
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15 | 30 Doch nicht immer geht es friedlich zu. Mindestens zwei Mal im Jahr rückt die Flora ins Zentrum der Berichterstattung: am 1. Mai und zum Stadtteilfest.
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16 | 30 Dann strömen linke Aktivisten aus Hamburg und dem Umland in die Schanze. Immer wieder brennen Mülltonnen und Barrikaden.
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17 | 30 Aber es kommt auch zu kreativem und gewaltfreiem Protest. Im Januar 2001 will Ole von Beust als Spitzenkandidat der CDU einen Ortstermin bei der Flora für den Wahlkampf nutzen. Von den "Rotfloristen" wird er mit Konfettiregen, Trillerpfeifenkonzert und höhnischen "Ole, Ole"-Rufen begrüßt und tritt wenig später die Flucht an.
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18 | 30 2001 verkauft der SPD-geführte Senat die Flora an den Immobilieninvestor Klausmartin Kretschmer. Der Preis beträgt 370.000 Mark.
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19 | 30 Kretschmer gibt an, mit dem Kauf keine wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen. Im Gegenteil. Angeblich will er der Stadt helfen und die Flora Schritt für Schritt befrieden. Die Stadt hält sich die Option offen, das Gebäude in den folgenden zehn Jahren zurückzukaufen.
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20 | 30 Die Rückkaufsfrist läuft im März 2011 ab. Eigentümer Kretschmer versucht, die Flora weiterzuverkaufen. Interessenten sollen dem Investor nach dessen Angaben bis zu 19 Millionen Euro geboten haben.
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21 | 30 "Rote Flora bleibt unverträglich": Dieses Motto verkünden die Aktivisten 2013 ...
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22 | 30 ... und stellen es Ende 2013 unter Beweis. Als Eigentümer Kretschmer ankündigt, die Flora räumen lassen zu wollen, kommt es bei einem Protestmarsch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Viele Menschen werden bei den Krawallen verletzt.
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23 | 30 Doch Mitte Mai 2014 stellt sich heraus: Klausmartin Kretschmer kann die Rote Flora nicht mehr von sich aus verkaufen. Gegen ihn läuft ein vorläufiges Insolvenzverfahren. Ende Oktober schließlich einigt sich der Senat mit dem Insolvenzverwalter auf einen Rückkauf für 820.000 Euro.
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24 | 30 Im August 2015 sieht die Flora plötzlich wieder aus wie vor 100 Jahren - doch trägt sie nur ein historisches Kostüm. Hinter der etwa 700 Quadratmeter großen Plane wird das Gebäude saniert. Die bunte Fassade wird gesandstrahlt, restauriert und neu verputzt.
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25 | 30 Nach der monatelangen Sanierung wird das Gerüst mit der Plane im September 2015 entfernt. Der Blick auf die "neue" Rote Flora ist zunächst ungewohnt. Manche Unterstützer aus dem Rote-Flora-Umfeld beklagen, dass das Gebäude nun zu schick aussehe.
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26 | 30 Während des G20-Gipfels in Hamburg im Juli 2017 randalieren vermummte Autonome mehrere Tage lang im Schanzenviertel rund um die Rote Flora.
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27 | 30 In einer Nacht zerstören die Randalierer Geschäfte, errichten Barrikaden und greifen die Polizisten an. Einige Stunden ist das Viertel in der Hand der Kriminellen.
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28 | 30 Die Rote Flora sagt, sie habe Verletzte versorgt, Gewalttätern aber keinen Rückzugsort verschafft.
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29 | 30 Während die Diskussion um Gewalt, die Rolle der Flora und ihre Zukunft weitergeht, greifen Hamburger zu Besen und Wischtuch. Sie beseitigen und reparieren die Schäden der vergangenen Nächte.
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30 | 30 Nach dem G20-Gipfel ist es ruhig geworden um die Flora. Der 1. Mai und das Schanzenfest, sonst Anlässe für Krawalle, bleiben friedlich.
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