Reeperbahn Spezialeinheit FD 65

Hamburgs Kampf gegen das organisierte Verbrechen

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 02. April 2025, 00:00 bis 01:30 Uhr

"Reeperbahn Spezialeinheit FD 65" erzählt von der ersten Polizeieinheit Deutschlands, die in den 1980er-Jahren nach US-amerikanischem Vorbild gegen organisierte Kriminalität vorging. Und das zu einer Zeit, als die Existenz von Mafia und organisiertem Verbrechen von der Politik und auch von Polizeiverantwortlichen noch öffentlich bestritten wurde.

Zentraler Schauplatz der Auseinandersetzung von Staat und Unterwelt sind die Straßen von St. Pauli im Rotlichtmilieu auf der "sündigsten Meile der Welt", der Hamburger Reeperbahn.

"Ende der 1970er-Jahre vermehrten sich die Stimmen, dass wir es hier in Hamburg zu tun haben mit organisierter Kriminalität. Und Mafia. Das Wort Mafia fiel auch."

(Wolfgang Sielaff, Gründer der FD 65)

Während Politiker noch deutschlandweit die Existenz organisierter Verbrechenstrukturen leugnen, erkennt der Hamburger Kriminalist Wolfgang Sielaff die Zeichen der Zeit und gründet Anfang der 1980er-Jahre, inspiriert vom US-amerikanischen FBI, Deutschlands erste Polizeieinheit zur Bekämpfung organisierter Kriminalität: die Fachdirektion 65.

Er versammelt 45 der besten Ermittlerinnen und Ermittler, um in den Kampf gegen das in Deutschland damals neue Phänomen organisiertes Verbrechen zu ziehen, das heutzutage mit EncroChat, dem Abou-Chaker-Clan oder dem Mord an dem niederländischen Journalisten Peter R. de Vries traurige Berühmtheit erlangt hat.

Eingebettet in die turbulente Zeitgeschichte der 1980er-Jahre erzählt die Doku von Ermittler*innen der FD 65, Polizeireportern, Zuhältern, Prostituierten und Politikern, vom Rotlichtmilieu der Reeperbahn und dem Katz-und-Maus Spiel zwischen der Fachdirektion 65 und den illustren Gegenspielern, darunter der sogenannte Pate von St. Pauli Wilfrid Schulz, die US-Mafia und korrupte Polizeibeamte, rivalisierende Zuhältergangs, die Hells Angels sowie der "Killer von St. Pauli" Werner Pinzner, der mit einer bis heute unfassbaren Mordserie die Fachdirektion 65 mitten ins Herz trifft.

Erzählt wird konsequent aus der Perspektive der Polizei. Die Gegenspieler von damals, so sie noch leben, liefern dazu ihre Sicht der Ereignisse aus den 1980er-Jahren. Einen besonderen Blick werfen die Macher*innen der Dokumentation dabei auf die Frauen in der Polizei und im Rotlichtmillieu. Ehemalige Prostituierte schildern ebenso ihre Lebensgeschichten wie Frauen, die zu den ersten Polizistinnen, V-Frauen und Kriminalistinnen Deutschlands gehörten. All diese Frauen vereint ihre Stärke und dass sie für ihre Positionen in ganz unterschiedlichen, aber männlich geprägten Milieus kämpfen mussten.

Interviews, szenische Bilder und bisher unveröffentlichtes Archivmaterial aus Verbrechensbekämpfung, Rotlichtmilieu und Zeitgeschichte verschmelzen in dieser Dokumentation zu einer spannenden und turbulenten Reise in die 1980er-Jahre auf der Reeperbahn, der "schmutzigsten Meile der Welt" .

Die Serie feierte am 6. Oktober 2022 beim renommierten Filmfest Hamburg ihre Weltpremiere.

Im Auftrag des NDR, in Zusammenarbeit mit dem SWR, WDR und rbb, und one gate media wurde diese aufwendige Produktion von der preisgekrönten gebrueder beetzfilmproduktion entwickelt und realisiert.

Weitere Informationen
Ein Ermittler bei einer Abhör-Aktion mit Kopfhörern und Tonbandgeräten. Nachgestellte Szene aus der Dokumentation "Reeperbahn Spezialeinheit FD 65". © NDR / Gebrüder Beetz Filmproduktion

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Autor/in
Georg Tschurtschenthaler
Regie
Georg Tschurtschenthaler
Autor/in
Ina Kessebohm
Regie
Ina Kessebohm
Autor/in
Christian Beetz
Florian Fettweis
Regie
Carsten Gutschmidt
Redaktion
Barbara Biemann
Marc Brasse
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
NDR Logo
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