Ihr NDR: Teamgeist und Kreativität in der Corona-Krise
So schnell kann es gehen! Noch vor wenigen Wochen war für alle kaum vorstellbar, welche Folgen die Coronavirus-Epidemie auch in Deutschland haben würde. Wenige Zeit später steht die Welt auf dem Kopf. Und mehr denn je sind Teamgeist und Kreativität gefordert, um die Herausforderungen der aktuellen Situation zu lösen.
Wir nehmen Sie mit in den NDR und zeigen Ihnen, mit welchen Herausforderungen wir konfrontiert sind und wie wir sie gelöst haben, um dem erhöhten Informationsbedürfnis der Bevölkerung gerecht zu werden und gleichzeitig unseren Beitrag zum Erhalt des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu leisten.
Moderieren mit Abstand oder auf dem Balkon
Der Großteil unserer Mitarbeiter*innen arbeitet aktuell von zu Hause aus und hält, wie in vielen anderen Unternehmen, den Kontakt über Telefon- oder Videoschalten zueinander. Gleichzeitig arbeiten viele im NDR und den angeschlossenen Landesfunkhäusern, um beispielsweise den Sendebetrieb aufrecht zu halten. Dabei gelten natürlich auch für sie die bekannten Schutzmaßnahmen, wie etwa der Mindestabstand von 1,5 Metern.
Aber wie können moderierte Fernsehsendungen entstehen und wie gestalten Moderator*innen-Duos im Radio ihre Sendungen? Für die N-JOY Morning-Show stehen Andreas Kuhlage und Jens Hardeland zum Beispiel nicht mehr gemeinsam im Studio. Für die nächsten Wochen senden die beiden im Wechsel von zu Hause aus. Ähnlich verhält es sich bei NDR Info. Beispielsweise werden in der Wirtschaftsredaktion Reporter*innen aus dem Homeoffice live auf Sendung geschaltet.
Bei Fernsehsendungen mit einem oder mehreren Moderator*innen heißt es auch im Studio: Abstand halten! Im Schleswig-Holstein Magazin werden aktuell einige Kamerapositionen nicht mehr eingenommen, um genügend Abstand zu gewährleisten. Gleiches gilt natürlich auch für unsere Gesprächsgäste, wenn diese zu uns in die Studios kommen. Denn für uns ist klar: Sicherheit und Gesundheitsschutz gehen vor.
Es hat sich schnell gezeigt, in Zeiten der Krise packen alle mit an. Ob von zu Hause, im Außeneinsatz oder an unseren Standorten in ganz Norddeutschland.
Fernsehen: Mit Ton-Angel und Plastiktüte
Es ist Teil unserer Identität, nah bei Ihnen zu sein. Das gilt für normale genauso wie für Krisenzeiten. Dafür sind auch jetzt jeden Tag unsere Kameraleute und Autor*innen im Norden unterwegs, um Beiträge zu drehen, O-Töne aufzunehmen und in gewohnter Qualität über die Themen zu berichten, die den Norden bewegen. Gar nicht so leicht, in Zeiten von Kontaktverbot und genügend Abstand wahren, um sich und andere vor einer Infektion zu schützen.
"Aber wie geht das zusammen?", fragt sich zum Beispiel Andreas Färber, stellvertretender Leiter unserer Kamera-Abteilung in Hamburg-Lokstedt jeden Tag aufs Neue. Es funktioniert, indem alle, die zum Beispiel während Dreharbeiten oder Studioproduktionen zusammenarbeiten, Schutzmaßnahmen ergreifen. In unseren Kamerawagen fahren jetzt beispielsweise nur noch höchstens zwei Personen versetzt zueinander mit. Der Beifahrer nimmt hinten rechts Platz, um auch hier den größtmöglichen Abstand einhalten zu können.
Während wir geschlossene Räume für Dreharbeiten sonst vor allem anhand der Lichtverhältnisse und Akustik bewerten, führen wir die Arbeiten dort jetzt nur durch, wenn das Infektionsrisiko durch Abstandhalten kleingehalten werden kann.
Auch Interviews führen wir gerade anders als gewohnt. Während unsere Interviewgäste sonst ein Ansteckmikrofon erhalten, ist das Ton-Angeln unsere aktuelle Devise. Das Mikrofon wird über eine ausziehbare Stange verwendet und erhält zusätzlich zu unserem NDR Windschutz aus Schaumstoff einen Gefrierbeutel oder eine kleine Plastiktüte als Schutzhülle. Diese werden natürlich nach jedem Einsatz gewechselt. Zudem sorgen in vielen unserer Schneideräumen Plexiglasscheiben zwischen Cutter*innen und Autor*innen für mehr Sicherheit.
NDR hat Zahl der Informations- und Serviceangebote erhöht
Ausnahmesituationen wie diese erzeugen ein erhöhtes Informationsbedürfnis. Deshalb haben wir unsere Angebote in Fernsehen, Hörfunk und im Netz angepasst und unsere Informations- und Serviceangebote zum Thema Coronavirus verstärkt. Denn gerade in dieser Krisensituation ist eine unabhängige, umfangreiche und verlässliche Berichterstattung besonders wichtig.
Online: Täglicher Live-Ticker
Seit einem Monat produziert das NDR.de-Team einen Live-Blog und informiert dort täglich über die neuesten Zahlen, Ereignisse und Fakten im Zusammenhang mit der Coronavirus-Epidemie. Außerdem finden Sie dort alle Audios und Videos des Tages.
Das Daten-Team des Programmbereichs Online und Multimedia liefert nicht nur unseren Kolleg*innen von NDR.de täglich aktuelle Zahlen und Grafiken, sondern auch Fernseh- und Hörfunkredaktionen sowie den NDR Landesfunkhäusern. Das Team arbeitet vor allem mit Daten des Robert-Koch-Instituts. Mithilfe von selbst entwickelten Programmen werden die Rohdaten automatisiert gesammelt und fließen schließlich in Tabellen und Grafiken ein, die zum Beispiel verdeutlichen, wie sich die Infektion in den norddeutschen Bundesländern verbreitet.
Riesenerfolg: Der Podcast zur Infektionslage
Übertragungswege, Inkubationszeiten, Modelle für eine Pandemie - vieles von dem, was über das Virus diskutiert und berichtet wird, auch in den verschiedenen Angeboten des NDR, bringt der NDR Info Podcast Das Coronavirus-Update den Menschen auf ganz besondere Weise nahe: durch tägliche Gespräche mit dem Leiter des Instituts für Virologie an der Charitè, Prof. Dr. Christian Drosten.
Bei NDR Info arbeiten neben den beiden Wissenschaftsjournalistinnen und Moderatorinnen Corinna Hennig und Anja Martini in Spitzenzeiten fast zehn Kolleg*innen an und für den Podcast, um die vielen Zuschriften auszuwerten und zu beantworten. Allein per E-Mail sind insgesamt bereits 15.000 im Postfach meinefrage@ndr.de eingegangen. Täglich sind es aktuell um die 400 neue Zuschriften.
Nachrichtenlage erfordert mehr Live-Untertitelung
Wer auch unbedingt im Sender arbeiten muss: die Kolleg*innen der barrierefreien Angebote. Dazu gehört das Team, das die Untertitel für das Fernsehen erstellt. Manche Sendungen wie Nachrichten können nur live untertitelt werden: NDR Info oder die Tagesschau etwa. Dabei wird die gesprochene Sprache mithilfe einer Spracherkennungssoftware von den Kolleg*innen in Untertitel umgewandelt. Zurzeit stemmt die Untertitel-Mannschaft zusätzlich zahlreiche Sondersendungen zur Coronavirus-Epidemie wie NDR Info Extra.
Kreative Trennwand schützt Live-Untertitel-Crew
In einer Live-Untertitelschicht arbeiten immer zwei Menschen zusammen, die sich bei Bedarf abwechseln. Die Aufgabe erfordert höchste Konzentration. Um den Fluss der Untertitel beim Wechsel nicht zu unterbrechen, müssen die Kolleg*innen den Bildschirm des anderen im Auge behalten können. Wie lässt sich hier also der Schutz vor einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus verringern? Mithilfe von Folienwänden, die das Gebäudemanagement gebaut hat.
Corona-Infos in Leichter Sprache und Gebärdensprache
Auch in anderen Bereichen versucht die Redaktion, die Mitarbeitenden möglichst gut vor einer Infektion zu schützen - etwa durch feste Teams, die sich abwechseln. Im Videotext sowie im Bereich der Leichten Sprache und der Gebärdensprache stellen die Kolleg*innen im Homeoffice sicher, dass gerade die Menschen, die oft Probleme haben, sich seriös zu informieren, auch in Corona-Zeiten auf dem Laufenden bleiben.
Kinder und Kultur: Vielfältige Extra-Angebote im NDR
Viele Mitarbeitende im NDR stemmen jetzt solche Extra-Projekte wie den Podcast oder initiieren Solidaritätsaktionen wie etwa #HamburgHältZusammen vom Landesfunkhaus Hamburg. Von Kreativität und Ideenreichtum zeugen auch die zusätzlichen Angebote, die in vielen Redaktionen geschaffen werden. Da lesen zum Beispiel bekannte Kinderbuchautor*innen aus Norddeutschland live ihre Bücher vor. Außerdem hat der NDR unter dem Motto "Kultur trotz Corona" eine virtuelle Bühne für Kulturschaffende aus dem Norden eingerichtet.
NDR Elbphilharmonie Orchester: Das digitale "Konzert des Tages"
Auch Konzerte der NDR Ensembles mussten aufgrund der Coronavirus-Epidemie abgesagt werden. Doch Fans klassischer Musik müssen nicht ganz darauf verzichten, Auftritte des NDR Elbphilharmonie Orchesters zu erleben. Denn auf der Homepage des Ensembles, in der NDR EO App sowie auf YouTube gibt es das wechselnde "Konzert des Tages" als Video on Demand zu hören.
Private Musik-Tutorials mit NDR Ensembles
Ein ganz besonderes Angebot für alle Musikbegeisterten war in den ersten Wochen auch das #heimspiel der NDR Ensembles: Musiker*innen des NDR Elbphilharmonie Orchesters, der NDR Radiophilharmonie, der NDR Bigband und des NDR Chores gaben per Skype oder Facetime persönliche Tutorials für Instrumente und Vokaltraining.
Persönlicher Schnack mit Musiker*innen der NDR Radiophilharmonie
Um mit seinem Publikum in Kontakt zu bleiben, hat sich die NDR Radiophilharmonie einen besonders persönlichen Weg ausgedacht: Die Musiker*innen greifen von zu Hause aus zum Telefonhörer und rufen ihre Abonnenten*innen einzeln an - mehrere Tausend Personen allein in der Region Hannover. Ihr Anliegen: eine unkomplizierte und freundliche Kontaktaufnahme. Und es funktioniert: Die Angerufenen freuen sich über die Geste.
Podcast zu den Olympischen Spielen
Auch die Olympischen Sommerspiele und die Paralympics, zwei der sportlichen Großereignisse überhaupt, sind aufgrund der aktuellen Corona-Krise verschoben worden. Im Juli 2021 sollen sie stattfiinden. Das trifft natürlich in erster Linie die Sportler*innen selbst.
Die Verschiebung der Spiele hat aber auch für uns einige Auswirkungen: Der NDR ist in der ARD federführend für die Olympischen Spiele und die Paralympics zuständig. Unser Projektteam kümmert sich daher gerade mit Hochdruck um alle neuen Fragen: Bleibt das International Broadcast Centre (IBC) dort, wo es geplant war? Können wir die angemieteten Flächen im Fernsehzentrum behalten? Und lassen sich Hotelbuchungen einfach so verschieben? Wir halten Sie auf dem Laufenden - unter anderem mit dem ARD Olympia-Podcast Go To Tokio To Go. Trotz der Umstände freuen wir uns jetzt schon auf die Olympischen Spiele 2021 mit Ihnen.
Den NDR hautnah erleben: Die digitale Variante
Normalerweise würde jetzt die heiße Phase unserer vielen Eventprojekte im ganzen Norden beginnen. Aufgrund der aktuellen Situation mussten wir einige davon bereits absagen. Das betrifft beispielsweise unsere Gästeführungen an den NDR Standorten und auch aktuelle Konzerte unserer Ensembles.
Es schmerzt uns sehr, dass wir Sie derzeit nicht wie gewohnt treffen, uns mit Ihnen austauschen und Sie mit hinter die Kulissen nehmen können. Auch wir freuen uns bereits jetzt auf den Moment, wenn wieder Normalität einkehrt und wir alle im Norden gemeinsam tolle Sachen erleben, über die wir gut und gerne berichten. Von Kultur über Unterhaltung bis hin zu Sportevents.
Bis dahin und gern darüber hinaus heißt es jedoch: Weiter zusammenhalten! Denn in Zeiten der Krise rücken wir alle näher zusammen. Und wenn nicht körperlich, dann zumindest im Geiste.
In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!