"Fragen schließen die Welt auf"
Skypen mit den Großeltern, spielen am iPad, Filme und Serien gucken auf Youtube. Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage ganz selbstverständlich mit Medien und dem Internet auf. Aber wie lernen sie eigentlich, richtig damit umzugehen? Die Online-Redaktion des Projektes NDR Newcomernews vom John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow hat Erwachsene dazu befragt.
Christina Wünsche ist Mutter von zwei Kindern. Sie arbeitet für den FC Hansa Rostock. Dort vermarktet sie die Fußballschule, Trainingscamps und alles, was der Verein für Kinder anbietet. Im Alltag, sagt sie, kommt sie ohne das Internet nicht aus. Anfragen, Emails, Webauftritt - im Job läuft bei ihr alles online. Auch privat nutzt sie Chats, prüft Wetter und Fußballergebnisse, außerdem kauft Frau Wünsche viel im Internet ein, sagt sie.
"Früher hat es auch funktioniert"
Als sie selbst ein Teenager war, erklärt Frau Wünsche, da gab es noch kein Internet. "Mit 15 hatte ich tatsächlich noch kein Handy, Internet gab es auch nicht. Da war es eben wirklich noch so, dass man sich an Verabredungen halten musste, die man getroffen hat in der Schule. Weil es wirklich keine Chance gab, abzusagen. Diese schnelle Kommunikation, so wie sie jetzt ist, das ging alles nicht." Es sei vielleicht auch ein Nachteil, dass man heutzutage viel spontaner Verabredungen absagen könne - weil man einfach keinen Bock hat.
Zu viele Informationen, die nicht gefiltert sind
Mit Blick auf die Informationsflut im Netz sagt Christina Wünsche, dass diese im Teenager-Alter sicher schon händelbar sei. Aber gerade für kleinere Kinder gebe es eben "zu viele Informationen, die nicht gefiltert sind". "Mein Sohn zum Beispiel ist elf, der muss jeden Tag Krieg und Tote sehen. Dinge, die man nicht so gut filtern kann, dass man ihn noch ein bisschen davon fernhalten kann." Auch Michael Fengler kennt das Problem. Der ehemalige Journalist arbeitet heute als Pressesprecher, er ist Vater von drei Kindern.
Das Internet - "wunderbar und brutal" zugleich
"Obwohl meine Kinder zwischen anderthalb und sechs Jahren alt sind, wissen sie schon, wie das iPad funktioniert und wie man es entsperren kann. Dieses Internet ist ein Wahnsinn! Ich komme aus einer Zeit, da waren wir bei uns in der Straße die einzigen neben dem Tierarzt, die ein Telefon hatten - das war noch mit Wählscheibe! Und jetzt lebe ich in einer Zeit, da nehme ich mein Handy als Körperteil wahr. Ich weiß gar nicht mehr, ob es ohne überhaupt geht! Trotzdem muss ich immer darüber nachdenken: Was macht das mit mir", meint Fengler.
"Soziale Medien zu nutzen, setzt Reife voraus"
Natürlich gelte das auch für seine Kinder. Youtube, sagt er, sei auch für den Nachwuchs interessant - genauso wie der KiKa. "Als Vater habe ich die Aufgabe, das zu steuern und das gelingt mir nicht immer gut. Ich weiß nicht, wann der richtige Zeitpunkt ist, meine Kinder mit sozialen Medien in Kontakt kommen zu lassen. Weil die Entscheidung, soziale Medien zu nutzen, eine gewisse Reife voraussetzt", sagt er. Auch er als Erwachsener habe manchmal Schwierigkeiten, zu entscheiden, was er postet und Berufliches und Privates im Netz zu trennen.
Fenglers Tipp für Jugendliche: Fragen, fragen, fragen
"Setzt Euch aktiv mit dem Internet auseinander: Stellt Fragen, stellt immer Fragen! Wo kommt die Info her, die ich da jetzt gerade lese, die mich per WhatsApp erreicht, die ich bei Facebook lese, die bei Twitter aufploppt. Fragen hilft! Fragen hilft dabei, sich die Welt aufzuschließen!"