Zu Lichtspuren verwischt sind die Fahrzeuge auf einer Autobahn © picture alliance/dpa Foto: Frank Rumpenhorst
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AUDIO: Mehr Ermittlungen wegen illegaler Autorennen in SH (1 Min)

Verbotene Autorennen: 25 Prozent mehr Fälle in Schleswig-Holstein

Stand: 28.03.2025 15:05 Uhr

Die Landespolizei in Schleswig-Holstein ermittelte im vergangenen Jahr in 318 Fällen wegen illegaler Autorennen - ein Anstieg um rund 25 Prozent im Vergleich zu 2023. Am Steuer sitzen oft junge Männer.

von Moritz Mayer

Ein Freitagabend im April: Ein Porsche und ein BMW rasen laut Polizei über die B76 bei Kiel. Auf Höhe von Elmschenhagen kracht der BMW in den Porsche. Der Unfall endet mit einem schwer verletzten 16-jährigen Beifahrer und Totalschäden an beiden Autos. Die Polizei vermutet ein illegales Rennen. Die Ermittlungen stehen laut der Staatsanwaltschaft Kiel kurz vor dem Abschluss.

Beamte reagieren sensibler auf illegale Autorennen

Illegale Autorennen sind längst keine Seltenheit mehr. In Schleswig-Holstein nehmen die Fälle seit Jahren zu. 2024 registrierte die Landespolizei 259 Rennen, bei weiteren 59 verursachten die Teilnehmer einen Verkehrsunfall – macht insgesamt 318 Rennen. Das ist ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zu 2023. Da waren es insgesamt noch 254 Fälle. Ein Grund für die Zunahme: Die Polizei geht sensibler mit dem Thema um und leitet häufiger Ermittlungen ein. Örtliche Schwerpunkte gibt es dabei nicht.

Was gilt als illegales Autorennen?

Ein illegales Rennen liegt vor, wenn mehrere Fahrzeuge gegeneinander antreten. Doch auch ein Einzelrennen zählt dazu, wenn ein Fahrer "grob verkehrswidrig und rücksichtslos" unterwegs ist, um die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Reine Geschwindigkeitsüberschreitungen ohne Renncharakter fallen nicht darunter. Seit 2017 gelten illegale Autorennen als Straftat.

Unfälle durch illegale Autorennen

Immer wieder führen solche Rennen zu Unfällen. Im vergangenen Jahr passierte das in Schleswig-Holstein 59 Mal, so die Landespolizei. Meist sind junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren die Verursacher. "Sie suchen den Kick, das Adrenalin", sagt Hadassah Aschoff, Leiterin des Instituts für psychologische Beratung und Bildung in Kiel. Immer mehr junge Männer, die wegen illegaler Rennen den Führerschein verloren haben, bereiten sich bei ihr auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) vor. Vielen sei nicht klar, wie sehr sie sich und andere gefährden, so Aschoff.

Wenige Fälle landen vor Gericht

Wer an einem illegalen Rennen teilnimmt oder eines organisiert, riskiert Geldstrafen oder mehrere Jahre Haft. Doch nur wenige Fälle landen vor Gericht. 2024 verurteilten Gerichte in Schleswig-Holstein 27 Personen wegen verbotener Rennen. Meist verhängten sie Geldstrafen, drei Verurteilte erhielten Bewährungsstrafen.

Abschreckung durch längeren Führerscheinentzug

"Die Strafen schrecken nicht ab", meint Hadassah Aschoff. Sie plädiert dafür, den Führerschein für mindestens fünf Jahre zu entziehen. "Dann sind die Männer älter, tragen mehr Verantwortung, haben vielleicht Kinder - und fahren keine illegalen Rennen mehr."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.03.2025 | 06:00 Uhr

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