Leere Gräber: Leichen von Euthanasie-Opfern nicht auffindbar

Stand: 03.04.2025 20:44 Uhr

Bei der Überprüfung des ehemaligen Anstaltsfriedhof in der Nähe von Lüneburg sind Dutzende leere Gräber gefunden worden. Von einem Skandal ist die Rede - besonders für die Angehörigen.

"Wir vermissen in der Kriegsgräberstätte 75 Skelette von Erwachsenen und vier von ermordeten Kindern", sagte Carola Rudnick, Leiterin der Euthanasie-Gedenkstätte Lüneburg. 35 sterbliche Überreste seien gefunden worden, allerdings ließen die sich nicht zuordnen, so Rudnick weiter. Denn die Pläne aus den Friedhofsunterlagen seien offensichtlich gefälscht.

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Rudnick: "Haben mehr Tote als Gräber"

Die Kriegsgräberstätte auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof sollte laut Rudnick 84 Gräber umfassen. "In den letzten Monaten konnten wir durch die Überprüfung von Sterbeanzeigen feststellen, dass wir mehr Tote haben als Gräber", sagte sie gegenüber NDR Niedersachsen. Weil im August ein neues Dokumentationszentrum eröffnen und in diesem Zusammenhang auch die Kriegsgräberstätte neu gestaltet werden soll, drängte Rudnick nach eigener Aussage auf eine Überprüfung der Anlage. Am Dienstag begannen deshalb Grabungen, das Ergebnis am Donnerstag: Ein Teil der Gräber sei leer, so Rudnick.

Grabungen auf Friedhof sollen fortgesetzt werden

Für Rudnick ist das ein Skandal. Jahrelang seien Familien zu den leeren Gräbern gekommen, um der Verstorbenen zu gedenken. "Und damit stellt sich natürlich automatisch die Frage: Wo sind sie?" Die sterblichen Überreste sollen nun gefunden werden - unter anderem mit Hilfe von Luftbildern und Zeitzeugen. Rudnick hofft auf Geld aus dem Innenministerium, um weitere Grabungen durchführen zu können.

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Hallo Niedersachsen | 03.04.2025 | 19:30 Uhr

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