Internetkriminalität in Niedersachsen steigt deutlich
Die Fallzahlen von Internetkriminalität in Niedersachsen haben sich in den vergangenen fünf Jahren nahezu verdoppelt. Einen hohen Anstieg verzeichnet die Polizei unter anderem bei Kinderpornografie.
Am Mittwoch hat das Land Niedersachsen erstmals ein Lagebild für Cybercrime vorgestellt. Knapp 13.000 Fälle von Cyberkriminalität hat die niedersächsische Polizei demnach im vergangenen Jahr registriert. Das sind 45 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Die Dunkelziffer dürfte nach Einschätzung des Landeskriminalamtes Niedersachsen (LKA) noch deutlich höher sein: Laut LKA-Dunkelfeldstudie wurden lediglich 19,5 Prozent aller computerbezogenen Straftaten angezeigt. "Cybercrime ist zu einer ernsthaften Gefahr geworden, die uns alle betrifft", sagte die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD).
Angriffe auf Online-Banking führen zu Millionen-Schaden
Als größtes Einfalltor für Angriffe gegen Privatpersonen und Unternehmen sieht das Land das sogenannte Phishing. Dabei versuchen Täterinnen und Täter, über gefälschte E-Mails, Nachrichten oder Websites an vertrauliche Daten zu gelangen. Besonders stark stiegen laut Lagebild unter anderem die Fallzahlen bei Angriffen auf das Online-Banking. Sie führten zu einer Schadenssumme von insgesamt 13,5 Millionen Euro. 2021 waren es noch 10,5 Millionen Euro. Beliebte Ziele seien Betreiber von Einrichtungen, die zur kritischen Infrastruktur gehören, sowie Landes- und Kommunalverwaltungen, sagte Behrens. Zum Schutz vor Angriffen brauche es unter anderem moderne Technik und eine ständige Sensibilisierung der Beschäftigten.
Neuer Höchststand bei kinderpornografischen Daten
Im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie registrierte die Polizei eine Steigerung um rund 30 Prozent auf 5.488 Fälle gegenüber dem Jahr 2021. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Zahl der angezeigten Fälle in diesem Bereich mehr als verdoppelt. Die Menge auszuwertender kinderpornografischer Daten habe mit weit über drei Petabyte (das sind drei Millionen Gigabyte) einen neuen Höchststand erreicht. Ein Grund für den Anstieg der Fallzahlen sei eine deutlicheren Sensibilisierung der Bevölkerung und der Netzwerkbetreiber gegenüber Kinder- und Jugendgefährdung, hieß es. In der Regel führten die Ermittlungen zu Hinweisen auf weitere Tatverdächtige. "Es erinnert ein wenig an die Hydra. Für jeden Kopf, den wir abschlagen, wachsen zwei neue nach", sagte Landespolizeipräsident Axel Brockmann.
Landespolizeipräsident: Taten sollten angezeigt werden
Auch Sabotage, Spionage und Cyber-Terrorismus forderten die Polizei heraus, sagte Innenministerin Behrens. Laut Landespolizeipräsident Brockmann ist Cybercrime ein Kriminalitätsphänomen, das sich besonders dynamisch verändert. Täterinnen und Täter passten sich flexibel an technische und gesellschaftliche Entwicklungen an. "Nur wenn die Delikte bekannt werden, ist es der Polizei möglich, Täterinnen und Täter zu ermitteln, die Phänomene effektiv zu bekämpfen und präventive Strategien und Maßnahmen dagegen zu entwickeln", so Brockmann. "Daher ist es von großer Bedeutung, die Taten nach ihrer Entdeckung anzuzeigen."