Nachwuchs gesucht: Polizei Osnabrück setzt auf junge Migranten
In Osnabrück werben ehrenamtliche "Polizeiscouts" für den Beruf des Polizisten. Sie versuchen dabei auch, die Hemmschwelle für Menschen mit Migrationshintergrund abzubauen.
Polizist werden - das war immer schon sein ganz großer Traum. "Schon als kleiner Junge wollte ich nie etwas anderes machen", sagt Yusuf Ülbegi aus Osnabrück. Mittlerweile ist er 23 Jahre alt und hat Anfang März ein Polizei-Studium in Oldenburg begonnen. Mit diesem Schritt ist er seinem Traumberuf einen großen Schritt nähergekommen. Den Grundstein dafür hat Ülbegi schon vor gut zehn Jahren gelegt. Damals war er einer der ersten jungen Migranten, die bei der Polizeidirektion Osnabrück als "Polizeiscout" angeheuert haben.
Als einer der ersten "Polizeiscouts" in Osnabrück im Einsatz
Mit diesem bundesweit einmaligen Projekt soll der Anteil der Polizistinnen und Polizisten mit Migrationshintergrund gesteigert werden, so das Ziel. Die Aufgabe von Ülbegi und seinen "Polizeiscout"-Kollegen: Sie sollen über den Beruf in Uniform aufklären, Ausbildungswege aufzeigen und Hemmschwellen abbauen - in ihrem privaten Umfeld, aber auch bei Messen und größeren Veranstaltungen.
Mit 14 schon "stolz", die Polizei zu vertreten
Ülbegi erinnert sich noch genau an seinen ersten Einsatz: ein Kinderfest vor einer Moschee in Bad Essen. Mit seiner dunkelblauen Jacke mit weißem Schriftzug "Polizeiscout" auf dem Rücken fühlte er sich sofort zugehörig zur Polizei, so sagt er. Und er war schon ein bisschen stolz, die Beamten in Uniform "vertreten" zu dürfen. "Das war ein unfassbares Gemeinschaftsgefühl", so Ülbegi. Damals war er 14 Jahre alt und vom ersten Tag an mit Herzblut bei der Sache. "Ich habe schon damals gedacht, dass die ehrenamtliche Arbeit als 'Polizeiscout' ein vielversprechender Einstieg in meinen Traumjob sein kann", erinnert er sich.
Für ein Polizei-Studium ist kein deutscher Pass nötig
Heute - mit 23 Jahren - ist aus dem Teenager ein junger Mann geworden: durchtrainiert, mit Bart und Brille. Seine Eltern stammen aus dem Osten der Türkei, er selbst ist in Deutschland geboren, besitzt auch einen deutschen Pass. Doch den bräuchte er nicht mal mehr, um seinen Traum zu erfüllen. "Das ist so eine Sache, die wissen viele Leute nicht: Man braucht nicht die deutsche Staatsangehörigkeit, um Polizist oder Polizistin zu werden." Genau das sei die wichtigste Botschaft, die er in seiner Zeit als "Polizeiscout" verbreitet habe.
Weitere "Polizeiscouts" gesucht
Die jungen Botschafter wie Ülbegi sollen "nahbarer und anfassbarer" sein als echte Polizisten, so die Projekt-Initiatorin Sabina Ide von der Polizeidirektion Osnabrück. "Wir haben erlebt, dass wir ein Glaubwürdigkeitsproblem haben", sagt sie. "Man hat uns nicht abgenommen, dass wir die Migrantinnen und Migranten wirklich wollen und da schaffen uns die 'Polizeiscouts' natürlich echte Zugänge." Sie sei dankbar, dass die Jugendlichen so viel Zeit und Engagement investieren - und das ehrenamtlich.
20 Prozent der Polizei-Bewerber mit Migrationshintergrund
Erfolge seien auf jeden Fall spürbar, auch wenn es keine konkreten Zahlen gebe, wie viele junge Leute durch die "Polizeiscouts" angeworben werden konnten. Aktuell hätten rund 20 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber für den Polizeiberuf einen Migrationshintergrund. Es gebe auf jeden Fall noch Luft nach oben, so Ide. Durch Corona sei das Projekt stark ausgebremst worden. "Wir wollen jetzt neu durchstarten und suchen dazu engagierte neue 'Polizeiscouts'". Interessierte Jugendliche könnten sich direkt bei der Polizeidirektion Osnabrück melden.
Kontakte geknüpft, Freundschaften geschlossen
Yusuf Ülbegi hat die Einsätze als "Polizeiscout" auf Kulturfesten oder Jobmessen jedes Mal als Bereicherung erlebt, nie als "lästige Arbeit", so sagt er. "Ich war immer dankbar, dass ich dabei sein durfte." Er habe dabei bereits viele Kontakte zu Polizistinnen und Polizisten knüpfen können, die ihn auf seinem Weg bestärkt haben, so Ülbegi. Mit vielen seiner damaligen Mitstreiter verbinde ihn mittlerweile tiefe Freundschaft, die er nicht mehr missen möchte. Und ganz loslassen kann er auch als Student nicht von der ehrenamtlichen "Polizeiscout"-Tätigkeit. Er möchte den zukünftigen Scouts auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen und wenn es zeitlich passt auch den einen oder anderen Einsatz begleiten. "Ab sofort eben als Polizei-Student", so sagt er.