Ist Gott eigentlich ordentlich?
Als Pastorin fragt sich Susanne Richter: Ist Gott eigentlich ordentlich? Der Anfang der Welt war chaotisch, heißt es in der Schöpfungsgeschichte: Er herrschte Tohuwabohu - wie in so manchem Wohnzimmer.
Bei ihr ist die Welt in Ordnung. Zumindest kommt es mir so vor. Ich folge einer Frau auf Instagram. Bei der ist das ganze Haus schön sortiert, aufgeräumt und sauber. Ich dagegen habe eben mit letzter Kraft die Spülmaschine angeschmissen und bin dann mit Blick auf das Chaos im Wohnzimmer laut fluchend in mein Bett geflüchtet.
"Ordnung schafft Struktur, Klarheit und Sicherheit"
Ehrfürchtig gucke ich mir ihre kleinen Videos an: "Ordnung schafft Struktur, Klarheit und Sicherheit", sagt sie entspannt. Recht hat sie. Und sympathisch ist sie wirklich auch. Sie sollte mal zu mir nach Hause kommen und mir helfen. Ich hätte auch gerne so schön aufgeräumte Schubladen. Bei mir und in mir ist es oft unaufgeräumt.
Muss man Chaos in sich haben, wie Nietzsche sagt?
In der Welt draußen auch. Je weniger die Welt in Ordnung ist, umso mehr wünsche ich mir Ordnung zu Hause. Ich bin nicht so wie Nietzsche, der sagt, man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich schreie bei einem gewissen Pegel an Unordnung meine Familie an.
"Der Anfang der Welt war chaotisch"
Als Pastorin frage ich mich nun: Ist Gott eigentlich ordentlich? Der Anfang der Welt war chaotisch, heißt es in der Schöpfungsgeschichte: Tohuwabohu. Wie unser Wohnzimmer also. Dann aber schafft Gott mit freundlichen Worten Lebensstrukturen. Rhythmen, Tag und Nacht, Wasser und Land. Schon eine Art Ordnung, aber mit kleiner "Wildnis" dazwischen. Beides scheint seine Berechtigung zu haben.
Und was auffällt: Gott sagt zu seinem Werk nicht "Siehe, es war sehr ordentlich". Er sagt: "Siehe, es war sehr gut."