Zverev trifft im Halbfinale der Australian Open auf Djokovic
Alexander Zverev steht erneut im Halbfinale der Australian Open. Der Hamburger Tennisprofi gewann sein Viertelfinale beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres nach hartem Kampf gegen den US-Amerikaner Tommy Paul 7:6 (7:1), 7:6 (7:0), 2:6, 6:1. Nun wartet Novak Djokovic.
Entscheidend im Duell mit Paul war nach einem schwachen dritten Satz Zverevs, dass er sich eine Pause nahm. Durchatmete. Als er wieder auf den Court der Rod-Laver-Arena in Melbourne zurückkehrte, ließ er dem US-Amerikaner keine Chance mehr. Nach einem starken eigenen Service nahm er Paul umgehend dessen Aufschlagspiel ab. Zverev war jetzt, nach drei engen Sätzen, zum ersten Mal im Flow und stellte schnell auf 5:0. Ein Aufschlagspiel gewann der an Nummer zwölf gesetzte Paul noch, nach 3:28 Stunden aber verwandelte Zverev seinen dritten Matchball - es war sein erster Sieg über den Amerikaner überhaupt.
Zuvor hatte der Hamburger, in Australien an Nummer zwei gesetzt, beileibe nicht sein bestes Tennis gespielt, vor allem in engen Situationen aber eine enorme mentale Stärke bewiesen. In den beiden ersten Sätzen lag der Hamburger jeweils mit Break zurück und gewann dennoch jeweils mit einem dominanten Tiebreak.
"Eigentlich hätte ich mit zwei Sätzen hinten liegen müssen."
Zverev war nach dem Spiel erleichtert. "Eigentlich hätte ich mit zwei Sätzen hinten liegen müssen", sagte er nach der Partie im Interview auf dem Court. "Er war besser als ich. Aber ich habe mich durchgebissen und sie irgendwie gewonnen." Der vierte Satz war "dann definitiv mein bester und ich bin extrem happy, wieder im Halbfinale zu stehen".
Mit seinem insgesamt 30. Erfolg bei den Australian Open löste der 27-Jährige Boris Becker als deutschen Rekordhalter ab. Zverev, im vergangenen Jahr im Halbfinale unnötig an Daniil Medwedew gescheitert, will im 36. Anlauf endlich die Hand an eine Grand-Slam-Trophäe bekommen.
Paul mit viel Risiko, aber übernervös
Er erwarte einen "unglaublichen Spieler", der "taktisch" herausragend agiere, hatte Zverev vor der Partie gegen Paul gewarnt. Und tat sich entsprechend von Beginn an schwer. Der US-Amerikaner, der sich unter dem Radar auch in diesem Turnier durchaus wohlfühlte, ging viel Risiko in den Returns und hatte damit durchaus Erfolg.
Zverev servierte zwar regelmäßig mit mehr als 200 Stundenkilometer, doch noch regelmäßiger landeten seine ersten Aufschläge im Netz. Den ersten Durchgang gewann er trotz eines Satzballs des Gegners nur, weil Paul nach seinem späten Break doch noch die Nerven flatterten.
Zverevs zwischenzeitlicher Rückfall in alte Zeiten
Der Deutsche erlebte seinerseits einen Rückfall in alte Zeiten und agierte über weite Strecken viel zu passiv; zudem motzte er gleich mehrfach den Schiedsrichter an - die Wiederholung eines Ballwechsels wegen einer auf den Court fliegenden Feder brachte den Hamburger auf die Palme. Sein Spiel mit dem Feuer aber rächte sich nicht, weil Paul teils übernervös agierte und erneut einen Satzball liegen ließ.
Im Tiebreak war Zverev zur Stelle und zeigte sich wie schon Ende des ersten Satzes deutlich verbessert. Nachdem sich Paul im dritten Satz endlich belohnt hatte, durfte man sich ein wenig sorgen um den Deutschen. Zverev, der insgesamt nur wenige Winner produzierte, aber nahm eine Pause und fing sich im rechten Moment. Verbessert marschierte er zum Sieg.
Im Halbfinale gegen Djokovic
Der Halbfinalgegner von Zverev ist gefunden: Novak Djokovic hat das Gigantenduell mit Carlos Alcaraz bei den Australian Open nach einer Nervenschlacht gewonnen. Der serbische Grand-Slam-Rekordsieger setzte sich mit 4:6, 6:4, 6:3, 6:4 durch und zog zum zwölften Mal in Melbourne ins Halbfinale ein.
"Ich hätte mir gewünscht, dass es das Finale ist", sagte Djokovic, der phasenweise mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte: "Es hat mich am Ende nicht eingeschränkt. Ich werde morgen früh spüren, wie es sich anfühlt, wenn die Medikamente nachlassen. Jetzt will ich erstmal nur den Sieg genießen."